Mehr als nur Sport – Gelebte Kameradschaft verschafft Vereinskollegen positiven Blick in die Zukunft

Gelebte Vereinskultur bedeutet nicht nur die Jagd nach Toren, Punkten und Trophäen. Dazu gehört nämlich vor allem eine Kameradschaft, die auch mannschaftsübergreifend weit über das übliche gemütliche Zusammensein hinausgehen kann.

Wer Sory Diallo mit seiner liebenswerten, manchmal verrückten, aber durchweg positiven Ausstrahlung kennenlernt, kann sich kaum vorstellen, welch bewegtes Leben der Mann aus Guinea und seine Familie schon hinter sich haben.

Im Jahr 2023 landeten Sory, seine Frau Gnalen und ihr erster Sohn Aly in Meckenheim. Die letzte Station einer Flucht-Odyssee, die über 6 Jahre dauerte. Gnalen und Sory lernten sich in einem Waisenhaus in Guinea kennen und lieben.

Als Sory 16 Jahre und Gnalen 14 Jahre war, flohen sie aus dem Kinderheim, in dem sie ständigen Misshandlungen ausgesetzt waren. Sie durchquerten mehrere afrikanische Länder und hielten sich mit Gelegenheitsjob über Wasser, auch wenn sie dabei immer wieder in Gefahr gerieten ausgebeutet oder misshandelt zu werden.

Schließlich schafften Sie es aber nach Lampedusa und wurden dann nach Deutschland gebracht. Hier angekommen suchte Sory sofort Anschluss und kam durch unseren damaligen Trainer der Reserve, Shariar Adimi, zum SV Rot-Weiß Merl.

Sory hatte als junger Spieler in der 2. Liga in Guinea gespielt und war von Beginn an ein Eckpfeiler der Mannschaft. Als Co-Trainer der 2. Herren fungierte der heutige Jugendleiter, Patrick Evert, der nahezu perfekt französisch spricht und somit zum ersten Ansprechpartner für Sory wurde.

Während Gnalen sich um Aly kümmerte, legte sich Sory auch neben dem Platz mächtig ins Zeug und lernte rasend schnell Deutsch um seine Integration und die Chancen auf einen Verbleib für sich und seine Familie zu erhöhen.

Patrick stand Sory zur Seite und half zunächst vor allem als Übersetzer bei Amtsbesuchen oder Ärzteterminen. Natürlich lief nicht alles reibungslos und beim Umgang mit den Behörden fehlte es auch Patrick häufig am nötigen Fachwissen.

Von da an wurden dann auch die Beziehungen im Verein zu Rate gezogen. Raphael Streit, der mit Patrick auch bei den Alten Herren kickt, ist Inhaber einer Jugendhilfe in Meckenheim und sorgte bei der Stadt dafür, dass er das Mandat für Sory bekam. Seine Angestellte Alina war ab Anfang 2025 die Betreuerin der Familie und brachte Ordnung in den Papierkram, stellte verschiedene Anträge und war auch bei der Geburt des zweiten Sohnes Patrick im vergangenen April an der Seite der Familie.

Sory hat im Mai sein B2-Deutsch-Examen mit Bravour gemeistert. Aber nicht nur das. Erst vor zwei Wochen hat er ein Praktikum bei einem Malerbetrieb in Bonn absolviert. Der Malermeister war von seiner Arbeit so angetan, dass er ihm am letzten Tag einen Ausbildungsvertrag anbot. Sory hat das Angebot natürlich freudestrahlend angenommen und kann sich somit wirklich eine Zukunft aufbauen.

Am 01.08.25 zieht seine Familie endlich aus dem Flüchtlingslager im Ruhrfeld aus und in eine richtige Wohnung ein.

Zufälligerweise wurde eine Wohnung von Daniel Dechant, unserem Geschäftsführer und gleichzeitig Sory’s Teamkollege, frei. Daniel zögerte nicht lange und kümmerte sich um die bürokratischen Angelegenheiten, sodass vor ein paar Tagen der Mietvertrag aufgesetzt werden konnte.

Somit haben wir innerhalb von wenigen Monaten in großartiger Zusammenarbeit innerhalb des Vereins viele Hebel in Bewegung gesetzt um für Sory’s Familie Weichen für eine positive Zukunft zu setzen. 

Wie schon zu Beginn des Beitrags erwähnt, ist die Kameradschaft innerhalb eines Vereins das höchste Gut. Wenn man zusammenhält und an einem Strang zieht, können fast alle Widrigkeiten bewältigt werden.

Und das zählt sowohl auf als auch neben dem Platz…